Inklusion Bornheim

Gemeinsamer Unterricht ("Inklusion")
behinderter und nichtbehinderter Kinder
an der Ernst-Moritz-Arndt-Schule
in Köln-Rodenkirchen

Zur Geschichte

Von allein geht nichts, erst recht nicht von oben. Wie in den meisten Fällen waren es Eltern, die unermüdlich und zäh von der Basis her die Initiative ergriffen. Den Anfang machte dann in den 70er Jahren der Sonderkindergarten in Köln-Sürth, der sich auch für nichtbehinderte Kinder öffnete. Genauso normal wie Kinder immer größer werden und den Kindergarten Richtung Schule verlassen, so verließ auch die Idee des gemeinsamen Lebens und Lernens den Kindergarten und fand schließlich nach einigem Hin und Her eine Schule, die es wagte und Schüler/innen aus Sürth aufnahm.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Schule in Köln-Rodenkirchen war so mutig und startete zum Schuljahr 1989/90 mit einer Integrationsklasse, die im 2-Lehrer-Team (Grundschullehrerin und Sonderpädagogin) gemeinsam unterrichtet wird. Neben der Peter-Petersen-Schule in Köln-Höhenhaus, der GGS Zwirnerstr. und einigen anderen ist die EMA eine der wenigen Grundschulen mit einer solchen Konzeption.

Zum Konzept

In jeweils einer Klasse pro Jahrgang werden behinderte und nicht- bzw. 'normalbehinderte' Kinder gemeinsam unterrichtet. Dabei sollte die Klasse aus nicht mehr als 15-17 nichtbehinderten und 5-6 unterschiedlich behinderten Schüler/innen bestehen. Das Konzept sieht keinerlei Begrenzung in Bezug auf Art und Grad der Behinderung vor.

Eine Grundschullehrerin, die in erster Linie für die nichtbehinderten Kinder zuständig ist und eine Sonderpädagogin, die sich für den sonderpädagogischen Förderbedarf der behinderten Kinder verantwortlich zeichnet, gestalten im Team den Unterricht der gesamten Klasse. Dabei nutzen sie alle pädagogischen Möglichkeiten innerer und äußerer Differenzierung, damit alle Kinder individuell nach ihren jeweiligen Lernzielen lernen. So kommt es vor, dass in einer Klasse gleichzeitig Schüler Inhalte verschiedener Schultypen vermittelt bekommen (Grundschule, Förderschule geistige Entwicklung, Förderschule Lernen, Förderschule körperliche und motorische Entwicklung, Förderschule Sprache, Förderschule soziale und emotionale Entwicklung, Förderschule Sehen).

Besondere Bedeutung kommen kooperativem, Projekt-orientiertem Unterricht und Lernen in 'Freier Arbeit' zu. Soviel gemeinsamer Unterricht wie möglich und sowenig räumlich getrennter Unterricht wie nötig. Die ständige Anwesenheit einer Sonderpädagogin als zweite Lehrkraft wird in allen oder fast allen Stunden erreicht. Dabei wird dem sonderpädagogische Förderbedarf der behinderten Schüler voll entsprochen. Jede Integrationsklasse verfügt über einen eigenen Gruppenraum.

Zusätzlich gibt es klassenübergreifende Lerngruppen, in denen z.B. Hauswirtschaft oder Psychomotorik stattfindet (vgl. Fotos aus der Psychomotorik: Geschicklichkeitsspiele, Krankenhaus spielen wie Blutdruck messen, Verletzungen versorgen,...). Von diesem Angebot profitieren auch einige der nichtbehinderten 'auffälligen' Schüler anderer Klassen. Einige der behinderten Schüler erhalten zudem in der Schule ihre krankengymnastische Therapie.

Im September 1991 konnte - wieder aufgrund von Elterninitiative - ein integrativer Hort (Integrativer Hort der Elterninitiative Köln-Süd e.V.) in der Nähe der Schule eingerichtet werden, in dem behinderte und nichtbehinderte Kinder nach dem Unterricht pädagogisch weiter gefördert werden können und gemeinsam z.B. Mittagessen, Hausaufgaben und Freizeit erleben können.

Die Erzieher/innen holen die Kinder nach Schulschluss an der EMA ab (vgl. Foto).

Wie auch der integrative Hort "Südstadtstrolche" der GGS Zwirner Str. wird der Hort "Köln-Süd" im Sommer 2007 "aufgelöst" und in die Integrative Offene Ganztagsschule der EMA-Schule (IOGS) überführt. Mehr dazu und zum Einsatz für eine angemessene Ausstattung (Demo, Teil-Erfolge und mehr), finden Sie hier.


Resümee

Der Schulversuch läuft im 14. Jahr: Mehr als 240 nichtbehinderte und über 65 behinderte Schülerinnen und Schüler haben in ihren Integrationsklassen sehr erfolgreich gemeinsam gelernt. Mehr als 1.200 Kinder konnten bisher an ihrer EMA erleben, dass behinderte und nichtbehinderte zum normalen Schulalltag dazugehören. Die Erfahrungen waren positiv in vielerlei Hinsicht: das soziale Miteinander, die Schulleistungen aller Kinder, die Atmosphäre von Gemeinsamkeit und Toleranz bei gleichzeitiger Beachtung der individuellen Bedürfnisse und Verschiedenheit.

Zu unserer Freude hat die Gesamtschule Rodenkirchen im Dezember 1994 beschlossen, einen Schulversuch in Anlehnung an die Ernst-Moritz-Arndt-Schule durchzuführen und damit die gemeinsamen Wege über die Primarstufe in der Sekundarstufe ermöglicht. Seit dem Sommer 1995 findet dort zieldifferenter gemeinsamer Unterricht statt (die erste Integrationsklasse befindet sich zur Zeit im 8. Schuljahr).

Die andere Kölner Gesamtschule mit Gemeinsamen Unterricht ist die Gesamtschule Holweide. Auch dort finden Sie Informationen zum gemeinsamen Unterricht in der Sekundarstufe I.

Für uns Lehrer/innen ist dieses Modell der Integration ein besonders gutes, weil:

   * für Kinder, unabhängig von Art und Grad der Behinderung, die Möglichkeit des gemeinsamen zieldifferenten Unterrichts besteht. Es wird nicht nach integrierbaren und nicht-integrierbaren Kindern unterschieden,
   * über (annähernd) die gesamte Zeit eine Doppelbesetzung möglich ist,
   * die behinderten Kinder innerhalb einer Klasse eine Subgruppe bilden können, die gemeinsame "Sonderinteressen" berücksichtigen und Identifikationsmöglichkeiten bieten können,
   * der Unterrichtsalltag durch das Team aus Regel- und Sonderpädagogik flexibel und individuell maßgeschneidert werden kann, entsprechend den Lernvoraussetzungen eines jeden einzelnen Schülers.

Die Vorteile dieses Systems gegenüber Einzelintegration bzw. Kooperation mit stundenweiser Abordnung liegt für uns auf der Hand.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Schule hat in Bezug auf Integration vor dem derzeitigen politischen Hintergrund (Finanzknappheit) einen guten Status. Es wäre zu wünschen, dass in der Zukunft nicht weniger, sondern mehr Kinder und Jugendliche so ein positives System nutzen können.

Aufgrund eines Paradigmenwechsels in der Pädagogik wird der Begriff Integration mehr und mehr abgelöst durch den treffenderen Begriff "Inklusion". Man spricht auch von "inklusiver Pädagogik".

Weitergehende Informationen zum Thema "Inklusion" / "Bündnis pro Inklusion" finden Sie demnächst hier:

http://www.proinklusion.de